Ein Häppchen Wissenschaft in der Mittagspause

Im August 2016 habe ich für den WDR Bonn einen Science Espresso besucht.

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Wer sich für die Themen Medizin und Gesundheit interessiert, kann sich in den nächsten drei Wochen auf spannende Vorträge freuen. Denn im Bonner LVR-Landesmuseum präsentieren Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft jeden Mittwochmittag aktuelle Forschungsergebnisse – und das kurz und knackig in maximal einer halben Stunde.

Eine Gruppe von Menschen hört einem Mann zu
Der „Science Espresso“ heute (3.8.2016) ist gut besucht. Denn es steht ein Thema im Mittelpunkt, das viele in irgendeiner Form berührt: Schönheitsideale. Annika Steinmann vo der Deutschen Sporthochschule Köln erklärt den Besucherinnen und Besuchern, dass der gesellschaftliche Kult um die äußere Erscheinung auch krank machen kann – und das gilt keineswegs nur für eine bestimmte Gruppe von Menschen.

Mancher Bodybuilder schluckt Anabolika, um sein Körperideal zu verwirklichen. Eine wissenschaftliche Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 60 Prozent der Marathonläufer Schmerzmittel einnehmen, um überhaupt das Ziel zu erreichen. Und schon Teenager melden sich im Fitnessstudio an, um so auszusehen wie gephotoshopte Frauen und Männer in Hochglanz-Zeitschriften.

Prävention muss frühzeitig beginnen

Eine junge Frau im Blazer

Dr. Annika Steinmann, Deutsche Sporthochschule Köln

Annika Steinmann konzentriert sich in ihrer Forschung auf eben diese Jugendlichen. Sie hat ein Präventionskonzept entwickelt, um sie vor unrealistischen Schönheits- und Leistungsidealen zu schützen: „Rein biologisch sind für 95 Prozent aller Menschen die gültigen Schönheitsideale nicht erreichbar. Aber es geht nicht nur um Schönheit. Die Gesellschaft orientiert sich generell stark an Leistungen. Sie vermittelt mitunter den Eindruck, dass nur diejenigen etwas Wert sind, die gute Leistungen erbringen.“

Nach Annika Steinmann muss sich das ändern: „Wenn es immer nur darum geht, etwas noch besser oder sogar perfekt zu machen, kann das auf Dauer krank machen. Das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Schulen und Eltern sollten daher Schönheits- und Leistungsideale bereits früh hinterfragen – gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Manche Kinder nähmen bereits in der 7. Klasse Beruhigungsmittel, um Klassenarbeiten überhaupt mitschreiben zu können. Eltern sollten ihren Kindern diesen Leistungsdruck nehmen – und sie nicht etwa permanent mit Klassenkameraden vergleichen.

Konzept setzt auf Dialog

Gläserne Außenfassade eines Museums

Das LVR-Museum in Bonn

Das Besondere am Science Espresso ist die entspannte Atmosphäre, in der sich Expertin und Besucher gegenseitig zum Nachdenken anregen. Ein Zuhörer lässt das Stichwort Self-Tracking fallen – also den eigenen Körper zunehmend zu vermessen und zu kontrollieren, beispielsweise via App.

„Auch das kann die individuelle Wahrnehmung beeinflussen und das Gefühl für den eigenen Körper nachhaltig stören“, sagt Annika Steinmann. Im Laufe der Diskussion kommt auch die grundsätzlichen Frage auf, inwiefern im Schulsystem eine andere Form der Leistungsbeurteilung sinnvoll wäre.

Weitere Science Espressi geplant

Noch bis zum 24. August können wissenschaftlich Interessierte an den kostenlosen Science Espressi teilnehmen. Start ist jeweils um 12.30 Uhr im LVR-LAndesmuseum in Bonn. Organisiert wird das Ganze vom Wissenschaftsladen Bonn im Rahmen der (ebenfalls kostenlosen) Wanderausstellung „Mehr als nur Labor!“

Die kommenden Themen

  • Nicht jeder Lungenkrebs ist gleich – Personalisierte Therapien durch vernetzte Forschung (10.08.2016)
  • VibroVision – erweiterte Umweltwahrnehmung für Blinde und Sehbehinderte (17.08.2016)
  • Lebensmittelqualität sichern – Strategien nachhaltiger Verpackung (24.08.2016) 

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