Rochade und rochieren

Wörter 5. März 2018

Für diejenigen die Schach spielen, ist das Wort vermutlich nicht neu. Ich war allerdings nie eine passionierte Schachspielerin. Und bei der Sportschau ist es mir bis jetzt auch nicht übermäßig oft zu Ohren gekommen. Es brauchte ein politisches Ereignis, um den neuen Begriff zu lernen: Rochade.

Am 30. Mai 2017 kündigte der damalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt an. Plötzlich berichteten sämtliche Medien von einer Personal-Rochade bei der SPD – und wie diese aussehen könnte. Ich zückte den Duden.

In erster Linie bezeichnet Rochade einen Spielzug beim Schach. Dabei werden König und Turm einer Farbe gleichzeitig bewegt. Diesen Schachzug hat sich der Sport abgeguckt: Rochade beschreibt hier einen Positionswechsel auf dem Spielfeld, den in der Regel die Außenspieler vornehmen. Und nicht zuletzt hat es der Begriff als Synonym für Ämtertausch auch in die Verwaltungssprache geschafft.

Nach der Ankündigung Sellerings musste die SPD zügig handeln – wer konnte das Amt in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen? Die Wahl fiel auf Manuela Schwesig, damals noch Familienministerin in der Bundesregierung. Anfang Juni 2017 folgte sie Erwin Sellering als Ministerpräsidenten und übernahm auch seinen Landesvorsitz der mecklenburg-vorpommerschen SPD.

Das war Rochade Nummer Eins. Aber wer war in der Lage, in die Fußstapfen von Manuela Schwesig als Familienministerin zu treten? Die Lösung diesmal: Katarina Barley, bis dato Generalsekretärin der SPD, und Personalrochade Nummer Zwei. Hubertus Heil besetzte wiederum das frei gewordene Amt des Generalsekretärs. Rochade Nummer drei.

Rochade. Kein besonders schönes Wort. Es liegt mir irgendwie schwer im Mund. Wahrscheinlich, weil es so kratzig klingt. Erst muss man das R hinten im Rachen (noch so ein unangenehm auszusprechendes Wort) formen, dann mit dem Zungenrücken an den Gaumen für das CH wandern. Naja, aber immerhin ein neues Wort gelernt. 😉

In der neuen Bundesregierung sind die Rochaden übrigens nur so weiter gegangen. Hubertus Heil ist inzwischen nämlich Arbeitsminister, Katarina Barley neue Justizministerin.

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